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Lebenshaltungskosten Neuseeland

Jedes noch so schöne Reiseziel hat meist irgendwo einen Haken; in Neuseeland sind es die hohen Lebenshaltungskosten. Obwohl das Land primär von der Landwirtschaft lebt und eines der größten Exporteure von Milchprodukten nach Asien ist, sind die Preise, die man hier für Milch- und Fleischprodukte zahlt, enorm hoch. Für einen Liter Milch zahlt man ganze 2,20 NZD, das entspricht gemäß dem aktuellen Kurs einem Preis von etwa 1,10 Euro. Der günstigste Käse kostet  2 NZD pro 100 Gramm und kommt nur in großen Familienpackungen von einem Kilogramm in den Laden, was den Kauf für viele Studenten und Touristen unrentabel macht. Für ein Päckchen der günstigsten Butter (oft die Hausmarke des Supermarktes, in dem man gerade einkauft) wird zwischen 2,50 und 3,00 NZD verlangt. Der deutliche Preisunterschied zu Milchprodukten in Deutschland basiert unter anderem auf der Tatsache, dass Milchprodukte in Neuseeland, im Gegensatz zu Deutschland, nicht subventioniert werden und die Bauern infolgedessen den vollen Preis für ihre Produkte verlangen. Darüber hinaus hat die steigende Nachfrage auf dem asiatischen Markt, insbesondere im Jahr 2007, bei gleichzeitigem Mangel an Milchvorräten zu einem deutlichen Anstieg der Milchpreise geführt, der auch heute noch spürbar ist.

Ähnliches gilt für die Fleischindustrie. Die Kühe, Schweine und Lämmer, die in Neuseeland geschlachtet werden und letztendlich im Supermarkt und beim Metzger landen, stehen auf großen Weiden von Privatbauern und genießen eine zeitintensive Verpflegung. Tatsächlich treiben die Farmer ihre Kühe und Schafe so gut wie jeden Tag von einem Weidestück zum nächsten, um den Kühen stets frisches grünes Futter zu gewährleisten. All das ist mit einiger Arbeit verbunden, die in keinem Verhältnis zu der Massenhaltung in Ställen steht, die in anderen Ländern vorherrscht. Und das lassen sich die neuseeländischen Bauern teuer bezahlen. Das beste Preis-Leistungsverhältnis besteht bei Rinderfilet, das bereits ab 22 NZD pro Kilogramm zu haben ist. Lammsteak kostet regulär 27 NZD pro Kilogramm. Am teuersten ist Hähnchenbrustfilet, für das zwischen 23 und 25 NZD pro Kilo verlangt wird. Ein guter Rat ist es, auf Sonderangebote der Supermarktketten zu achten, die stets groß in den Prospekten angekündigt werden und wöchentlich wechseln. Vor allem bei Fisch und Fleisch lassen sich dabei oft gute Schnäppchen machen und einige Dollar sparen.

Dies gilt auch für andere Lebensmittel wie Nudeln, Reis und Konserven, die regulär zu sehr viel höheren Preisen verkauft werden, als auf dem deutschen Markt. Bei diesen Produkten sollte man, wenn gerade kein Angebot besteht, auf die Hausmarken der Supermarktketten zurückgreifen, die zwar, vor allem bei den Nudelprodukten, kaum mit den Markenprodukten mithalten können, dafür aber einen Bruchteil des Preises kosten und durchaus genießbar sind (Billig-Pasta unbedingt mehrmals während des Kochens im Wasser mit der Gabel umrühren und darauf achten, dass sie getrennt werden – sonst hat man später einen großen Haufen aneinanderklebender, mehr als bissfester Nudeln). Der wohl größte Preisunterschied besteht allerdings bei Produkten in der Frühstücksabteilung, namentlich Müslis und Cornflakes. Für eine Packung Müsli zahlt man regulär zwischen 7 und 10 NZD, aber auch hier lohnt es sich, auf Angebote zu achten, dann gibt es die Packung auch schon für 5 NZD. Einfache Cornflakes der Marke Budget sind mit 3,50 für eine 500g-Packung recht teuer; importierte Produkte sind noch kostspieliger.

Teuer wird es auch, wenn es an den Kauf von Shampoos, Cremes und anderen Kosmetikartikeln geht. Der Aufpreis, den der Import der Ware verlangt, ist deutlich zu spüren und es ist daher ratsam, Kosmetika bereits aus Deutschland mitzubringen. Andere Non-Food-Produkte wie Kleidung können aber durchaus günstiger sein, vor allem, wenn man keinen Wert auf Markenartikel legt. Große Warenhäuser bieten Textilien zu sehr günstigen Preisen an und sind auch empfehlenswerte Anbieter, wenn es um Elektronikartikel oder Haushaltsutensilien geht. Lebensmittel sollten hier allerdings nicht gekauft werden – sie sind meist nochmals teurer als in den regulären Supermarktketten.

Grund für die hohen Preise, die in den Supermärkten Neuseelands herrschen, ist, dass sich die Ketten in den Händen von lediglich zwei Konzernen befinden, die augenscheinlich keinen Bedarf an Preiskampf und Wettbewerb sehen. Aktuell steht allerdings laut neuseeländischer Berichterstattung eine bekannte deutsche Supermarktkette im Gespräch, namentlich Aldi, interessiert am neuseeländischen Markt zu sein, um dort für mehr Wettbewerb zu sorgen, der das Preisniveau zu senken vermag. Bislang ist man davon aber noch weit entfernt und so ist es immer eine gute Idee für Obst und Gemüse einen Abstecher in einen der größeren asiatischen Märkte zu machen, die es in vielen größeren Städten gibt, vor allem aber in Auckland, wo die Einwanderungsrate der Chinesen am größten ist. Ein besonders gutes Exemplar befindet sich beispielsweise auf der K’Road, in dem es immer frisches und preiswertes Obst und Gemüse gibt und auch einige Fleischprodukte günstiger als im Supermarkt verkauft werden. Hier besteht sogar ein positiver Unterschied zum deutschen Markt, mit anderen Worten, das Obst und Gemüse ist mit ungefähr 65 Cent für ein Kilogramm Braeburn-Äpfel oder zwischen 15 und 20 Cent für einen großen Brokkolikopf deutlich günstiger als man es von zu Hause gewohnt ist.

Bei der Behausung sind die Kosten stark davon abhängig, welche Art der Unterbringung man gewählt hat und in welchem Teil Neuseelands man wohnt. Hostels kosten in der Regel zwischen 50 und 90 NZD für ein Doppelzimmer pro Nacht in zentraler Lage; Einzelzimmer sind geringfügig günstiger. Die Preise schwanken jedoch je nach Saison und erreichen im Sommer zwischen Dezember und März Spitzenwerte von 90 NZD und mehr pro Doppelzimmer und Nacht. Deutlich günstiger ist die Unterbringung in einem Mehrbettzimmer (ab 16 NZD pro Nacht in zentraler Lage) und im Sommer kann für Umherreisende auch das Campen eine gute und günstige Option sein (gut ausgestattete Holiday Parks verlangen etwa 18 NZD pro Person und Stellplatz die Nacht, schlichtere DOC-Campingplätze kosten zwischen 5 und 15 NZD; einige sehr spartanisch ausgerüstet Plätze sind sogar umsonst). Für Studenten ist allerdings die Option der Unterbringung in einer Wohngemeinschaft interessanter. Ein Zimmer in einer Wohnung in zentraler Lage in der Innenstadt Aucklands kostet zwischen 90 NZD für ein kleines Zimmer in einem heruntergekommen Gebäudekomplex und 150 NZD pro Woche für ein nettes Einzelzimmer in einem Apartment mit gegebenenfalls recht hübschen Ausblick auf Auckland City. In den Vororten Aucklands sind die Preise etwas niedriger und der Komfort etwas höher; allerdings sollte man in dem Fall den Kauf eines fahrbaren Untersatzes in Betracht ziehen, da die Busfahrzeiten sehr beschränkt sind (obwohl zur Zeit das Verkehrsnetz des Nachtbusses ausgebaut und verbessert wird) und die Preise für eine Einzelfahrt mit 1,60 NZD für den nächstgelegenen Vorort und 4,30 NZD für eine 15-minütige Fahrt nicht gerade günstig sind. Auch in kleineren Orten, vor allem in bekannten Studentenstädten, sind Wohngemeinschaften zu passablen Preisen zu finden. Die Kosten für Strom und Wasser sind gelegentlich im Mietpreis enthalten (vor allem in Studentenwohnheimen und in WGs in Aucklands Innenstadt, da die Bewohner hier häufig wechseln), werden oft aber auch extra berechnet.

Wer auf Luxusartikel und tägliche Fleischzufuhr verzichten kann, kann in Neuseeland mit 550 bis 650 Euro im Monat gut auskommen. Nicht mit einberechnet sind darin allerdings die Kosten für eventuelle Ausflugsziele und Eintrittspreise, Benzin oder andere Transportkosten. Wer allerdings im Rahmen eines Working Holiday Visums und nicht eines Studentenvisums in Neuseeland ist, wird keine allzu großen Schwierigkeiten haben, die eigene Haushaltskasse mit Gelegenheitsjobs aufzubessern, wenn das Geld mal knapp werden sollte. Generell gilt allerdings, dass das grüne Land, in dem mehr Schafe und Kühe leben als Menschen, kein Schlaraffenland für Budgettouristen ist, sondern ein recht teures Ziel für alle, die viel Wert auf eine fleisch- und milchreiche Nahrung legen und im Anschluss an das Studium oder Praktikum noch einige der unzähligen Aktivitäten Neuseelands ausprobieren wollen, die alle leider nicht nur abenteuerlich und oft einmalig sind, sondern auch sehr kostspielig.